Das Theremin

Ich bin noch nicht mal stehen geblieben. Ich gehe durch den Laden, sehe es –

„Oh mein Gott – ist das wirklich ein Theremin?“

Es ist ein Theremin.

„Mensch, du bist ja wie ein Teenager, der sein musikalisches Idol trifft.“

Ich muss das ausprobieren. Ich muss das antesten.
Ist es eingeschaltet? Hat es Strom?

Ich gehe näher heran. Ich weiß, was ich gelernt habe.

„Ich muss erst rausfinden, wie sich der Ton entwickelt, wenn ich die Hand wegbewege.“
„Dann muss ich verstehen, wie die Zwischenschritte klingen.“
„Und wenn ich das geschafft habe… dann entsteht Musik.“

Der Mensch, der mich begleitet – wie denkt der wohl darüber?
Egal. Ich bin jetzt hier. Ganz hier.

Linke Seite: Lautstärke – höher oder tiefer mit der Hand über der Spule.
Rechte Seite: Tonhöhe – je näher die Hand, desto höher der Ton.

Okay. Los geht’s. Wir machen Töne.

„Oh Gott, das hört sich fürchterlich an!“

Ist ja klar. Man muss es erst lernen.
Aber ich bleibe dran.

Ich mache einen langen Ton. Höre zu.
Drehe an einem Knopf.
„Was passiert, wenn ich an diesem Rad drehe?“
„Was verändert sich, wenn ich diese Taste drücke – und dann jene?“

Ich teste die Knöpfe, die Regler, ich höre auf den Ton, wie er sich verändert.
„Könnte das mein Instrument werden?“

Wo ist das Preisschild?

All diese Gedanken –
manche nacheinander, andere gleichzeitig –

Ein einziges inneres Feuerwerk.
Und keiner dieser Gedanken ist unwichtig. Noch nicht.
Denn:

Gedanken sind gleichberechtigt – solange sie noch keine Auswirkung haben.

Erst später, wenn ich gehe, weiß ich: Nein, das Theremin ist es nicht.
Aber das macht den Moment nicht kleiner – im Gegenteil.

Er war groß.
Weil ich gedacht habe. Viel. Und gleichzeitig.

Und ich habe es zugelassen.

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