„Lass dir halt ein dickeres Fell wachsen.“
Das klingt wie ein Ratschlag. Wie etwas, das helfen soll. Doch in Wirklichkeit kann dieser Satz Menschen in einer psychischen Krise ins Mark treffen. Er spricht ihnen das Empfinden ab. Die Verletzlichkeit. Die Not. Und schlimmer noch: Er macht sie dafür auch noch verantwortlich.
Ich weiß das, weil ich es selbst erlebt habe.
Ich war in einer dieser Phasen, in denen nichts mehr ging. In denen sich alles nur noch schwer und leer anfühlte. Depression ist ein kaltes, graues Wort – aber sie macht alles schwarz-weiß. Und wenn du mittendrin steckst, brauchst du keine Ratschläge. Du brauchst jemanden, der dich sieht.
Was ich stattdessen bekam, war oft genau dieser Satz: „Du musst dir einfach ein dickeres Fell wachsen lassen.“
Ich konnte das nicht. Und das wusste ich. Aber plötzlich fühlte ich mich auch noch schuldig dafür. Als wäre ich zu schwach. Zu empfindlich. Nicht normal genug.
Und dann kam dieser Moment.
Ein guter Freund sagte zu mir:
„Ich kann mir nicht mit ansehen, wie du kaputt gehst. Aber ich habe Ideen, was wir machen können.“
Dieser Satz hat etwas in mir berührt, was längst begraben war: Hoffnung.
Nicht, weil er versprochen hat, dass alles gut wird. Sondern weil er bei mir geblieben ist. Weil er gesagt hat wir.
Weil ich nicht mehr alleine war.
Ich erzähle diesen Satz heute oft in Schulprojekten, in denen es um psychische Gesundheit geht. Und selbst heute, viele Jahre später, kommen mir dabei noch die Tränen.
Weil ich weiß, wie viel in so einem Satz steckt.
Ehrlichkeit. Nähe. Mut.
Er hat nicht meine Depression geheilt. Aber er war der Anfang von etwas, das ich bis heute trage:
Schritte in Richtung Leben. Und eine Resilienz, die ich alleine nicht gefunden hätte.
Was dieser Satz auch anderen zeigen kann
In den Schulprojekten werde ich oft gefragt:
„Wie kann ich helfen, wenn meine Mutter, mein Vater oder meine Schwester in so einem Loch steckt?“
Die Verzweiflung dahinter ist greifbar. Es ist die Hilflosigkeit von Menschen, die zusehen müssen, wie jemand leidet – und nicht wissen, was sie tun können.
Und genau dann erzähle ich diese Geschichte.
Nicht, weil es die Lösung ist. Sondern weil sie zeigt, was möglich ist, wenn man nicht versucht, jemanden zu „reparieren“, sondern einfach bleibt.
Mit einem offenen Herzen. Und einem Satz, der nicht belehrt, sondern verbindet.
„Ich kann dir nicht versprechen, dass es sofort besser wird. Aber ich bin da. Und ich hab Ideen, was wir vielleicht gemeinsam versuchen könnten.“
Manchmal ist das schon der Anfang von allem.