Der Toaster räusperte sich innerlich, was bei Toastern ungefähr dem Knacken eines Heizdrahts entspricht.
Neulich stand ich einfach da. Nutzlos, wie so oft zwischen zwei Einsätzen. Kein Weißbrot, kein Körnertoast, nicht einmal eine halbherzige Scheibe vom Vortag. Nur warten. Maschinen warten viel. Menschen nennen das Standby und halten es für Fortschritt.
Also hörte ich zu.
Der Kühlschrank summte in seiner üblichen Art, ein alter Brummbär mit Kompressorproblemen und dennoch unverzichtbar, wie manche Behörden. Wenn sein Motor ansprang, lief ein feines Zittern durch die Arbeitsplatte. Der Wasserkocher meldete sich später mit jenem Geräuschspektrum, das stark vom Verkalkungsgrad abhängt. Auch Geräte altern hörbar. Ein Trost für uns alle.
Dann war da wieder der Sokie.
Er sprach mit seinem Computer. Früher dachte ich, er streite mit Tabellen oder Druckertreibern, diese klassischen Feinde der Menschheit. Inzwischen weiß ich: Es geht um KI. Also um Maschinen, die reden können, aber oft nicht zuhören. Ein erstaunliches Konzept.
Ich verfolge das mit Interesse.
Der Sokie sitzt dann da, formuliert um, erklärt neu, präzisiert, grenzt ein, korrigiert Missverständnisse, entfernt unnötigen Zierrat, kämpft gegen Abschweifungen, gegen ungefragte Kreativität, gegen jene seltsame Kraft, die er „Systemheuristiken“ nennt. Das scheint eine Art eingebauter Starrsinn zu sein. Sehr menschlich für etwas, das kein Mensch sein soll.
„Mach einfach genau das“, sagt er manchmal.
Ein Satz von tragischer Schönheit.
Denn oft macht diese andere Maschine allerlei Kram. Viel Text. Nebel. Zusatzideen. Falsch verstandene Hilfsbereitschaft. Antworten auf Fragen, die nie gestellt wurden. Ein Kunststück, das Menschen ebenfalls hervorragend beherrschen.
Bei mir läuft das anders.
Jemand steckt eine Scheibe Toast hinein. Vielleicht dreht er am Regler. Vielleicht auch nicht, weil Optimismus stärker ist als Erfahrung. Dann drückt man den Hebel herunter.
Ich interpretiere nichts.
Ich erfinde nichts.
Ich personalisiere nichts.
Ich analysiere nicht den historischen Kontext des Brotes.
Ich liefere keine alternativen Röststrategien.
Ich frage nicht, ob das Toast eher emotional knusprig oder sachlich goldbraun gewünscht ist.
Ich toaste.
Wenn die Zeit um ist, springt die Scheibe heraus. Ende der Zusammenarbeit. Klar, präzise, würdevoll. Eine fast vergessene Form technischer Ehrlichkeit.
Neulich hörte ich das Wort „fortschrittliches Kommunikationsmodell“. Das bezog sich auf diese sprechenden Systeme. Ich will nicht respektlos sein, aber wenn Fortschritt bedeutet, zehnmal erklären zu müssen, was man beim ersten Mal bereits klar gesagt hat, dann war der Hebel an meiner Seite seiner Zeit weit voraus.
Manchmal denke ich: Vielleicht sind Menschen gar nicht deshalb so gern bei Maschinen, weil Maschinen intelligent sind.
Vielleicht sehnen sie sich einfach nach etwas, das verlässlich reagiert.
Ein Hebel runter. Eine Aufgabe. Ein Ergebnis.
Kein Drama.
Fast schon revolutionär.