Ockhams Rasiermesser ist ein Denkwerkzeug aus der Philosophie. Es sagt:
Wenn es mehrere Erklärungen für ein Phänomen gibt, wähle die einfachste – die mit den wenigsten Annahmen.
Die einfachste Erklärung ist nicht automatisch die richtige, aber sie ist der vernünftigste Ausgangspunkt, weil sie ohne unnötige Spekulation auskommt.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Wenn dein Handy nicht angeht, ist meist der Akku leer – nicht, dass ein Softwaregeist sein Unwesen treibt.
Und ein Beispiel aus der Wissenschaft
Um zu erklären, warum Schiffe hinter dem Horizont „versinken“, warum es Tag und Nacht gibt oder warum Satelliten funktionieren, braucht das Modell der runden Erde nur wenige Grundannahmen.
Die Flacherd-Theorie dagegen muss zusätzliche Annahmen stapeln:
- geheime Eiswände am Rand
- riesige globale Verschwörungen aller Raumfahrtbehörden
- besondere Lichtbrechungsphänomene, die zufällig immer genau passen
- eine Sonne, die klein ist und wie ein Spot über der Scheibe kreist
Je mehr Zusatzannahmen ein Modell braucht, desto unplausibler wird es.
Ockhams Rasiermesser sagt hier klar: Die runde Erde ist die bessere Erklärung.
Es hilft uns, gedanklichen Ballast wegzuschneiden und beim Wahrscheinlichen zu bleiben.